News - Optische Telegraphie in Preussen 1832 - 1852

Telegraphenreise im mai 2014

Mitglieder der Interessengemeinschaft vom Telegraphenberg aus Potsdam machten sich mit ihren Gästen Anfang Mai wieder einmal auf den Weg, um verbliebene Zeitzeugnisse der optischen Telegraphie zu erkunden. Die Stationen 50 bis 54 und auf der Rückreise die Station 28 gehörten zum Reiseplan der Exkursion. Nach 180 Jahren optische Telegraphie gibt es immer noch ehemalige Stationen mit sichtbaren Telegraphenhäusern.
Auf der Rückreise schauten wir uns die sehr gut gestaltete Ausstellung im Renaissanceschloss Bevern "In die Luft geschrieben" an. Herr Zabel übernahm die Führung durch die Ausstellung und lud uns später zu einer Wanderung auf den Burgberg zur Station 28 ein.
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Station 50 — Köln-Flittard (50)

Aufnahme 2014
In dem grünen Vorort von Köln fällt das ehemalige Telegraphenhaus mit dem hochragenden Telegraphenmast auf. Es gibt keine An- und Umbauten, die historischen Maße des Telegraphendirektors O´Etzel sind noch vorhanden. Die Familie Schallenberg hat in in den 70-er Jahren das Grundstück wegen der schönen Lage erworben und das Haus wurde Wohnung und Denkmal zugleich. Die Bilderwand im Turmzimmer dokumentiert die Geschichte der optischen Telegraphie. Gelegentlich kommen Besucher vorbei, die neugierig nach der Funktion des Mastes fragen.

Das Turmzimmer dient heute der Muße, hier spielt Herr Schallenberg auf seiner Gitarre oder pflegt die Kunst des Schriftsetzens. Er war überrascht vom Besuch der Telegraphenfreunde aus Preußen und freute sich über den Erfahrungsaustausch.


Zeichnung um 1833

Station 51 — Köln, St. Pantaleonkirche (51)

Die historische Abbildung 1833
Angemeldet bei Pfarrer der Kirche durfte unsere Gruppe über steile Leitern bis auf den Turm klettern. Die Aussicht auf Köln von oben war nur durch die Schlitze gegeben. In der kleinen Austellung zur Geschichte der Kirche ist auch ein Hinweis zur Nutzung des Turms als Telegraphenstation zu finden. Unser Stadtführer Herr Stöcker hat viel über wechselvolle Geschichte zur Architektur der Kirche erzählt. Die Darstellung der Kirche auf dem alten Stich stammt aus der Zeit um 1833. Deutlich ist auf dem Turm der Telegraph zu erkennen. Die Telegraphenstation hatte einen eigenen Eingang, der sich seitlich vom Haupteingang befand. Später wurde die Turmspitze umgebaut. Die Stadt Köln ist zwar im Krieg sehr zerstört worden, viele sakrale Bauten sind heute restauriert und ziehen Touristen aus aller Welt an.
Treppe zum Turm

Station 52 — Köln-Zündorf (52)

Der alte Turm im Mittelpunkt
An der Straße nach Köln gelegen fällt dieses Haus auf. Es wirkt mit den Anbauten etwas massig. Das Grundstück hat nicht mehr die ursprüngliche Größe, es musste nach einem Bebauungsplan für Einfamilienhäuser und neuer Straßenführung in den 50-er Jahren verkleinert werden. Der Turm wurde bereits im vorigen Jahrhundert verkürzt. Die steilen Treppen sind noch vorhanden und auch der Keller befindet sich noch mit seiner niedrigen Deckenhöhe im Originalzustand. Im Treppenhaus hängen Reproduktionen zur optischen Telegraphie, der Historie wohl bewusst. In dem Anbau ist modernes Wohnen angesagt. Die Familie Goergens liebt das Obergeschoss und schaut gern in die Ferne. Leider wird die Aussicht nach dem neuesten Bebauungsplan nicht mehr nach Köln gegeben sein.
Unser Überraschungbesuch wurde von der Familie mit viel Spaß quittiert. Die Beweglichkeit der Stellebenen am Wandertelegraphen treibt die Spielfreude an.

Ehepaar Goergens

Station 53 — Spich, Forsthaus Telegraph (53)

Das ehemalige Forsthaus
Das einladende Forsthaus beherbergt heute ein Sternerestaurant, das mit der Außenansicht den hungrigen Gast verwirrt. Aber auf der angrenzenden Wiese findet der Ausflügler seinem Geldbeutel entsprechende Menüs. Eine Spezialität ist der Flammkuchen.
Auf der hinteren Ansicht des Forsthauses wird der Umriss des ehemaligen Telegraphenturms sichtbar. Ringsherum ist dichter Waldbewuchs, von möglichen Sichtachsen keine Spur.

www.forsthaus-telegraph.de

Die Rückfront des Restaurants

Station 54 — Söven (54)

Das bewohnte Telegraphenhaus
Schon vor Jahren hatte der Besitzer Josef Hammer nach dem Kauf des Grundstücks mit viel Geschick und historischem Wissen das Haus restauriert. Die steilen Treppen sind noch vorhanden und führen hoch in den Turm.
Im Turmzimmer befinden sich die Nachbauten der Fernrohre. In der darunterliegenden Telegraphenstube mit reizvoller Aussicht treffen sich gern Schachfreunde. Aus dem ehemaligen Schulgebäude ist ein schöner großer Raum geworden, der noch auf eine Nutzung wartet.
Herr Hammer junior pflegt das historische Gebäude mit viel Energie und handwerklichem Geschick. Gelegentlich klingelt ein Besucher an der Tür und möchte über die historische Bedeutung mehr erfahren. Die Sichtachsen zu beiden Seiten sind nicht mehr gegeben, da viele hochgewachsene Bäume die ehemalige Aussicht zu den nächsten Stationen verdecken.

Die Treppe zum Dach

Ausstellung "In die Luft geschrieben" Wanderung zur Station 28 — Bevern (28)

Station 28 ohne Telegraph
Auf Initiative des Heimatverbandes mit Reinhold Zabel an Spitze und dem interessierten Museumsdirektor Dr. Leiber ist eine anschauliche Geschichte zu den Anfängen der optischen Nachrichtenübermittlung entstanden. Etliche Leihgeber stellten ihre Unikate zur Verfügung. Abwechselnd zu den großformatigen Abbildungen und dem Modell der Station gibt es viel über die Geschichte zu lesen. Die Ausstellungsgestaltung wurde für die alten Schlossräume perfekt erarbeitet. Zu den bekannten Informationstafeln, die schon in der Ausstellung in Neuwegersleben (Station 18) zu sehen sind, hat die Firma FACH&WERK aus Berlin speziell eine Tafel zur Station 28 gestaltet.

Zum Abschluss unserer Reise führte uns Herr Zabel auf den Burgberg zur Station 28. An den Hängen blühte der seltene Frauenschuh. Die Landschaft ist traumhaft und bietet ein ideales Ausflugsziel. Eigentlich vermisst der Wanderer eine kleine Gaststätte - vielleicht ein freundlicher Hinweis für die örtliche Verwaltung von Bevern und Holzminden.
www.schloss-bevern.de

Der seltene Frauenschuh
Fotos: Ludwig Grundwaldt, Elke und Björn Lewerenz, Albert Schwarz und Brigitte Sellin